Naturnähe soll sich auch lohnen

Von Kirsten Sundermann

REGIONALE PRODUKTION Der Odenwälder Fleischtag in Reichelsheim versorgt Bauern und Metzger mit Ideen und potenziellen Kunden

REICHELSHEIM - Ein beachtliches Echo fand die Premiere eines Odenwälder Fleischtags, der nun mehr als 70 Landwirte, Metzger, Caterer sowie Betreiber von Großküchen in der Reichelsheimer Reichenberghalle zusammenführte. Organisiert wurde das Treffen von der Arbeitsgemeinschaft Regionale Fleischvermarktung, der neben der Hauptabteilung Ländlicher Raum, Veterinärwesen und Verbraucherschutz (LRVV) des Odenwaldkreises auch die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen angehört.

Weiter beteiligt sind die Vereinigung Hessischer Direktvermarkter, der Verein Odenwälder Regionalprodukte, die Fleischerinnung Dieburg-Odenwald, der Regionalschlachthof Odenwald sowie der Regionalbauernverband Starkenburg. Die Besucher zeigten sich an den angebotenen Fachvorträgen interessiert und beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen, die im Anschluss in kleinen Gruppen geführt wurden.

Die Moderation hatte Dr. Andrea Fink-Keßler von der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen übernommen. Wichtig an der Zusammenkunft war ihr das gegenseitige Kennenlernen von Erzeugern, Vermarktern und Konsumenten. Dank der Möglichkeit, Zettel mit „Biete“ oder „Suche“ anzupinnen, fanden sich schnell potenzielle künftige Geschäftspartner. Elsbeth Kniß vom LRVV und Kreisbeigeordneter Dr. Michael Reuter hoffen, dass sich derartige Beziehungen intensivieren lassen. „Im Odenwald gibt es zahlreiche, ökologisch produzierende Betriebe, darüber hinaus einen bio-zertifizierten Schlachthof“ sagte Fink-Keßler, für die deshalb eine Frage im Vordergrund steht: „Wie kriegen wir unsere tollen Lebensmittel an den Verbraucher?“ Kreislandwirt Hans Trumpfheller, der bereits im Bio-Fach tätig ist, hob den folkloristisch-touristischen Aspekt einer Weide hervor, auf der zufriedene Kühe grasen. Das sei nicht nur hübsch anzusehen, sondern diene auch dem Erhalt der Kulturlandschaft. Er bedauerte, dass die Aufzucht von Weidekälbern, die bereits auf der grünen Wiese geboren werden und dort heranwachsen, nicht stärker in den Vordergrund gerückt und beworben werde. „Die sind geschmacklich nämlich etwas ganz Besonderes“, weiß er.

Zahl der Metzgerei-Betriebe geht seit Jahren zurück

Gerhard Rebscher von der Metzgerinnung bedauerte, dass die Anzahl der Metzgerei-Betriebe seit Jahren zurückgehe. Im Schlachthof wird nach seiner Einschätzung nicht ausreichend auf die Vermarktung geachtet. Auch fehle es der Branche an Personal und Auszubildenden. Interessiert aufgenommen wurden Präsentationen und Praxisberichte über bereits laufende Vermarktungsprojekte. Martin Theisinger, Biometzger aus dem Habichtswald, hat auf dem Göttinger Wochenmarkt keine Probleme mit dem Absatz: „Alles, was anders ist als das Alltägliche, läuft gut“, hat er erfahren. Da interessierten sich Kunden plötzlich sogar für Rezepte von Eutersuppe.

Sehr aufmerksam hörten die Besucher auch die Berichte von Manfred Fleck, dem Geschäftsführer des Darmstädter Alice-Hospitals, über seine Kooperation mit Odenwälder Bio-Fleisch-Produzent Christoph Böhm vom Hof Schleiersbach in Fränkisch-Crumbach. „700 Essen werden im Hospital täglich ausgegeben, alle nach den Slow Food Kriterien „gut, sauber, fair“ zubereitet. Denn: Für einen Patienten ist gutes Essen fast noch wichtiger als eine gelungene Operation“, meint Fleck nur halb im Scherz.

Ein Erfolgsmodell ist auch das Projekt „Mahlzeit Schule“. Hier arbeiten der Agrar-Service Starkenburg (ASS) mit der Europa-Catering (CAT) seit zehn Jahren zusammen, um etwa 50 Schulen und Kindertagesstätten rund um Bensheim täglich ein gesundes Mittagessen anbieten zu können. Der Bio-Anteil an der Verpflegung liegt bei 20 Prozent, der Preis zwischen 3,50 und 4,50 Euro, je nachdem, welche Dienstleistungen zusätzlich beansprucht werden.

BEZUGSWEGE

Wer Fleisch oder Produkte daraus direkt vom Bauernhof beziehen will, findet dazu seit geraumer Zeit über die Organisation der Odenwälder Direktvermarkter Gelegenheit. 

Diese halten im Internet eine Liste der geeigneten Hofläden vor, Adresse www.odenwaelder-direktvermarkter.de. Für Fleisch und Wurst von Tieren aus der Region stehen in der Regel auch die Odenwälder Metzgerbetriebe. Wo es weiter lokale Fleischer mit entsprechenden Angeboten gibt, zeigt die Fleischerinnung über die Homepage der Kreishandwerkerschaft auf: www.kh-odenwald.de. (sun)