Odenwald-Schlachthof in Brensbach: Auslastung steigt auch dank Biofleisch-Vermarktung



Von Birgit Reuther

BRENSBACH - Regional und Bio sind immer mehr Verbrauchern wichtig. Der letzte verbliebene Regionalschlachthof in Südhessen, der Odenwald-Schlachthof in Brensbach, erfüllt diese Bedingungen. Wenngleich die Geschäfte dort nun besser laufen, fällt das Bestehen am Markt nicht leicht. Nun geht ein neuer Geschäftsführer ans Werk.

Der Odenwald-Schlachthof in Brensbach hat einen neuen Chef: Zum 1. September hat Volkmar Schaaf (Fränkisch-Crumbach) die Geschäftsleitung der Odenwald-Schlachthof Betriebs-GmbH übernommen. Damit löste er den bisherigen kommissarischen Geschäftsführer Ruppert Gessler ab.

Der aus Herbstein im Vogelsbergkreis stammende Schaaf (60) ist kein Unbekannter in der Fleischbranche. Der Mann sei Metzgermeister und Fleischereitechniker und verfüge über viele Jahre Berufserfahrung sowie über die zur Führung von Fleischerbetrieben nötigen Kompetenzen, heißt es in einer Pressenotiz der Betriebs-GmbH.

Der neue Regionalschlachthof-Chef war bis vor Kurzem Geschäftsstellenleiter der Niederlassung Gießen der Firma Emil Färber GmbH & Co. KG. Auch Michael Reuter, Aufsichtsratsvorsitzender der Schlachthof-Bauträger-GmbH, ist optimistisch: "Wir freuen uns, dass wir einen fähigen Fachmann gefunden haben, der den Betrieb fortentwickeln und auch wirtschaftlich weiter in eine sichere Zukunft führen wird."

Wie berichtet, war der Odenwälder Regionalschlachthof Ende 2012 von Insolvenz bedroht gewesen. Nachdem der damalige Chef entlassen worden war, wirkte Jürgen Walther, Geschäftsführer der den Schlachthof verwaltenden Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg) mbH, von Dezember 2012 bis Frühjahr 2015 zusätzlich als kommissarischer Geschäftsführer dieses Betriebs. Ziel des Krisenmanagements war, das unter Verlusten ächzende halböffentliche Unternehmen langfristig auf solide Beine zu stellen - mit mehr Kunden, besserem Marketing, geringeren Kosten, Investitionen in Tierschutz und technische Ausstattung.

Im April 2015 übernahm dann Ruppert Gessler die Geschäftsleitung. Er hatte im Sommer 2015 von einer Verbesserung berichtet: Es gehe voran, wenn auch in kleinen Schritten.

Auch Volkmar Schaaf weiß, dass sich die Brensbacher ins Zeug legen müssen, um am Markt zu bestehen. "Unser Betrieb ist zu groß für die Kleinen und zu klein für die Großen", umreißt der neue Chef die Position der Odenwälder. Dies bedeutet, dass man sich genau jene Sorte Kunden suchen muss, auf die das Brensbacher Profil passt. Als Beispiele nennt Schaaf die Lebensmittelmärkte Edeka und Rewe: "Da müssen wir sehen, dass wir noch Schlachtzahlen bekommen." Auch Zerlegebetriebe, die mehr auf Regionalität setzen möchten, bleiben eine Zielgruppe.

Immerhin weisen auch die aktuellen Schlachtzahlen darauf hin, dass es aufwärtsgeht: Derzeit werden in Brensbach 80 bis 100 Rinder pro Woche geschlachtet - 2015 und 2014 waren 40 beziehungsweise 35 Tiere die Woche. Diese erhebliche Steigerung sei vor allem der Biofleisch-Vermarktung und den Kunden des inzwischen geschlossenen Schlachthofes in Bensheim (Kreis Bergstraße) zu verdanken, so Schaaf. Bei den Schweinen sind es rund 400 Tiere pro Woche. Schafe werden in Brensbach ebenfalls geschlachtet, doch fallen diese Zahlen weniger ins Gewicht.

Zum Vergleich: Im Schlachthof Mannheim sind es etwa 400 000 Tiere jährlich - eine Größenordnung, bei der die Odenwälder nicht mithalten wollen und können. "Und mit den großen Betrieben in NRW und Niedersachsen könnten wir erst recht nicht konkurrieren."

Geschlachtet wird an drei Tagen die Woche. "Montag ist Haupttag, an den anderen Tagen könnten wir die Kapazitäten leicht erhöhen", sagt Schaaf. Derzeit sind 15 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen das Personal des Zerlegebetriebs und Selbstständige.

Hintergrund

TIERSCHUTZGERECHT UND MIT BIO-SIEGEL DER EU

Der Betrieb am Ochsenwiesenweg 2 in Brensbach ist inzwischen der einzige verbliebene Regionalschlachthof in Südhessen. Außerhalb dieser Region gibt es Schlachthöfe nur noch in Aschaffenburg, Alzey und Mannheim. Gesellschafter sind der Odenwaldkreis sowie Kommunen aus diesem Landkreis und dem benachbarten Kreis Darmstadt-Dieburg.

Das somit halböffentlich aufgestellte Serviceunternehmen ist ausschließlich auf Dienstleistungs-Schlachtungen für Metzgereien, Gastronomen und den Fleischhandel spezialisiert. Man erfülle die strengen EU-Hygienevorschriften, und auch dank bestens ausgebildeter Fachkräfte sowie kurzer und stressarmer Transporte werde tierschutzgerecht geschlachtet, heißt es in der Eigendarstellung.

Der Regionalschlachthof beschäftigt aktuell 15 Mitarbeiter, hinzu kommen der vor Ort ansässige Zerlegebetrieb sowie Selbstständige. Geschlachtet wird an drei Tagen pro Woche. Das Unternehmen führt das Bio-Siegel der EU sowie die Qualitätszeichen "Geprüfte Qualität Hessen" und "Geprüfte Qualität Odenwald". Vermarktet werden diese Erzeugnisse durch den Zerlegebetrieb Frühwein, Abnehmer sind regionale Metzger.