Kampf um die Kunden

Ministerin Priska Hinz wirbt auf ihrer Sommertour in Brensbach für regionale Lebensmittel


VON REGINE HERMANN

Brensbach. Regional erzeugtes Fleisch, kurze Transportwege, keine Schlachtfabriken: Das wollen viele Verbraucher laut Umfragen. Aber im 
Rhein-Main-Neckar-Ballungsraum gibt es kaum noch Schlachthöfe. In Südhessen ist der in Brensbach ab September der einzige.
Schnittchen und Sekt gibt es normalerweise nicht auf dem Schlachthof in Brensbach (Odenwaldkreis). Da muss schon eine Ministerin auf 
Sommerreise sein. Die Grüne Priska Hinz ist mit ihrem Plädoyer für regionale und ökologisch erzeugte Lebensmittel in Brensbach genau 
am richtigen Ort. Regional ist der Schlachthof ohnehin und das „EU Bio-Siegel Hessen“ hat er auch. 
Regional und Bio sind Trends. Aber das allein ist noch kein Garant für Erfolg. Jahrelang hat der Odenwald- Schlachthof Verluste eingefahren,
 Ende 2012 war er von Insolvenz bedroht. „Wir haben schwierige Zeiten erlebt“, fasst Jürgen Walther zusammen. Der Geschäftsführer der 
Odenwald-Regionalgesellschaft war von Dezember 2012 bis im Frühjahr dieses Jahres zusätzlich kommissarischer Geschäftsführer des 
Schlachthofs, nachdem der damalige Amtsinhaber entlassen worden war. Seit April hat Ruppert Gessler diese Funktion.

Seit zwei Monaten
ein leichtes Plus
Die Lage des Betriebs hat sich seit 2012 verbessert. „Wir sind auf einem positiven Weg, wenn auch mit kleinen Schritten“, sagt 
Gessler im Gespräch mit dem ECHO. Seit zwei Monaten verzeichne man ein leichtes finanzielles Plus. Zurzeit werden pro Woche 
durchschnittlich 40 Rinder geschlachtet (35 waren es im vergangenen Jahr), bei den Schweinen meldet der Schlachthof stabile Zahlen. 
Vor allem die Steigerung bei den Rindern ist für Gessler erfreulich, denn sie sei hauptsächlich durch Bio-Vermarktung möglich gewesen – 
ein Geschäftsfeld, das sich der Schlachthof seit einiger Zeit erschließt. Aber noch immer wird nur an drei Tagen geschlachtet, noch immer 
wird nach Gesslers Angaben die Pacht nicht in voller Höhe gezahlt. 
Ab September ist der Betrieb im Odenwald der einzige Schlachthof , den es in Südhessen noch gibt. Der Schlachthof in Bensheim 
(Kreis Bergstraße) schließt Ende August, dort wird dann nur noch Fleisch zerlegt und vermarktet. Die gesetzlichen Vorgaben, unter anderem
beim Tierschutz, seien „für diese Betriebsgröße nicht zu erfüllen“, wenn man wirtschaftlich arbeiten wolle, sagte Inhaber Norbert Lulay 
kürzlich dem ECHO. 
 
Auch außerhalb Südhessens gibt es kaum noch Schlachthöfe. Darmstadt, Dieburg, Frankfurt, Mainz, Wiesbaden: Überall sind die Betriebe 
geschlossen worden. Aschaffenburg, Alzey, Mannheim sind noch übrig. Und eben Brensbach. Dort hoffen die Verantwortlichen, zumindest einen 
Teil der Viehzüchter, die bisher nach Bensheim gefahren sind, für sich zu gewinnen. „Wir wünschen uns, dass da jemand kommt“, sagt Gessler. 
Die Werbung dürfte nicht ganz einfach werden, denn der Mannheimer Schlachthof ist für viele leichter zu erreichen. Er kann auch bessere Preise 
machen, ist in der Branche zu hören, denn mit 400 000 Tieren pro Jahr ist er erheblich größer als Brensbach.
 
Ministerin Hinz beobachtet die „bröckelnde Struktur“ bei den Schlachthöfen in Hessen mit Sorge. „Wenn wird regionale Vermarktung wollen, 
brauchen wir solche Betriebe“, versichert sie in Brensbach und verweist auf den Ökoaktionsplan, mit dem die Landesregierung die Bedingungen 
für Vermarktung, Produktion und Vertrieb ökologisch produzierter Lebensmittel verbessern wolle.
 
Die Vermarktung ist auch in Brensbach ein Thema. Die Absatzaktivitäten müssten weiter gesteigert werden, ist Walther überzeugt. Der 
Ballungsraum Rhein-Main-Neckar hat einige Millionen Einwohner. Die potenziellen Kunden sind also vor der Haustür. <<